Mein neues Lieblingshotel.

Human Lifestyle Andrea Ege Schöne Orte Reisetipps Hotel Korsika Le Roche Rouge

In Würde altern ist eines der Themen, mit denen ich mich immer öfter beschäftige. Ein Thema, das man auch auf Häuser und Gebäude anwenden kann. Ein Thema, das in diesem Hotel hier, meinem neuen Lieblingshotel, in jeder Ritze, Fuge, Ecke, Kachel lebt, pulsiert und atmet: Hôtel Le Roches Rouges in Piana (Korsika). 

Man stelle sich vor: eine ältere Dame. Nicht Frau! Dame. Als sie jung war, war ihre Schönheit von niemandem zu überbieten. Und von keinem Mann zu ignorieren. Sie bezauberte die Herzen. Sie verführte die Welt. Sie sprühte vor Charme und Charisma. Dann kamen die Jahre. Und leise legte sich eine halbdurchsichtige Schicht Falten und Ritzen über ihre Schönheit…

Und doch blieb sie sich treu. Sie blieb schön. Sie blieb das, was sie war: eine Dame. Und sie blieb vor allem bei ihrem Stil. Trinkt sie Tee, dann am liebsten aus einem silbernen Kännchen und einem Tässchen aus feinstem Porzelan. Mit winzigen, genießerischen Schlückchen, den kleinen Finger erhaben hoch gestreckt. Steckt sie ihr immer noch langes Haar hoch, dann mit viel Andacht. Jede Strähne wird virtuos genau an der richtigen Stelle platziert. Egal, wie lange das dauert. Kleidet sie sich für den Tag wird genau überlegt, welches der schon in das Alter gekommen Kleider, das adäquate für diesen Tag ist… in Farbe, Form, und Fülle.

Sie hat auch noch stets ihre festen Rituale. Morgens wird elegant gefrühstückt. Nicht übertrieben, aber auch nicht zu bescheiden. Vor allem: mit innerer Ruhe. Mittags folgt die stille Stunde. Vogelzwitschern beherrscht die Stimmung. Abgesehen davon ist Achtsamkeit angesagt. Zeit, in sich zu kehren.

Abends, zur blauen Stunde, ist der richtige Ort die Terrasse. Den Blick auf das zwölf-blau-farbige Meer gerichtet, ist es Zeit für den Aperitif. Mal ein Pastis, mal einen Campari Soda. Immer mit Genuss. Schluck für Schluck.

Dann kommt der Höhepunkt des Tages: der Gang in den Speisesaal des Hotels. Hier wurden Schicksale verändert, hier wurde unzählige Male ewige Liebe geschworen, hier wurden Beziehungen beendet, hier wurde genossen, geweint und getanzt. Heute plätschert die Klaviermusik nur noch aus den Lautsprechern. Und doch lädt die Atmosphäre noch stets ein zum Tanz.

Das abendliche Schauspiel der im Meer versinkenden Sonne, die mit letzten Strahlen noch einmal sanft über die roten Felsen der La Calanche streichelt, als wollte sie zärtlich Abschied nehmen von dieser nicht umsonst von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärten Zauberlandschaft, neigt sich ein weiterer, wunderschöner Tag in diesem einzigartigen Hotel dem Ende zu …

Wieder im Bett gebettet, mit Blick auf die vom Mond beleuchteten Wolken und das Meer, kehren sich andere sinnliche Wahrnehmungen in den Vordergrund: Auch der Geruch bezaubert. Zwischen den Türstoppern aus roten Samtsäckchen mit Silber-Dekor, den aufgebauschten, vielfarbigen Kunstblumen in majestätischen Vasen, den kunstvollen Kommoden aus dem vorigen Jahrhundert schwebt ein Hauch von Amber. Sanft, leicht süß, sehr, sehr verführerisch.

Leise, von allen Sinnen verwöhnt, gleitet man über in Morpheus Reich. Und begegnet ihr wieder, dieser wunderschönen, eleganten, verführerischen, stilvollen alten Dame, deren Schönheit durch das Altern nicht verschwunden, sondern eher nachgezeichnet ist …


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